Was ist ein Pfandkredit? Definition und Beispiel

Mehrere 100-Euro-Banknoten, die über einen Pfandkredit aufgenommen wurden
Eine schnelle und unkomplizierte Geldbeschaffung bietet der Pfandkredit!

Bei einem Pfandkredit gibt ein Kreditnehmer ein wertvolles Eigentum in die Hände des Kreditgebers und erhält dafür eine gewisse Geldsumme, die er verzinst zurückzahlen muss. Nach komplett erfolgter Zurückzahlung erhält der Kreditnehmer sein Eigentum zurück.

Der Kreditnehmer wird im Kontext des Pfandkredits als Verpfänder bezeichnet, der Kreditgeber ist stets ein Pfandhaus. Der entscheidende Vorteil des Pfandkredits ist, dass so gut wie jeder ihn aufnehmen kann. Es ist weder ein Einkommensnachweis, noch eine Bonitätsprüfung notwendig.

Sein Nachteil ist, dass er sehr teuer werden kann, wenn die Rückzahlfrist nicht sehr kurz gehalten wird. Für den Pfandkredit geeignete Wertgegenstände sind zum Beispiel Schmuck, Antiquitäten, Elektronikprodukte, Uhren und ähnliches. Bei speziellen KFZ-Pfandhäusern können Autos beliehen werden.

Anschauliches Beispiel für den Pfandkredit

Der selbstständige Gitarrenlehrer Martin braucht kurzfristig Geld, weil sein Kühlschrank kaputtgegangen ist und er umgehend einen Neuen benötigt. Er möchte ein hochwertiges Gerät, welches idealerweise Jahrzehnte lang halten und energieeffizient arbeiten soll, erwerben. Das Geld, das er derzeit zur Verfügung hat, reicht aber nur für ein Billiggerät.

Um sich dennoch einen Qualitätskühlschrank leisten zu können, möchte Martin einen Kredit aufnehmen, doch bei der Bank hat er mit seinem unregelmäßigen Einkommen und seiner künstlerischen Selbstständigkeit schlechte Karten und außerdem muss es sehr schnell gehen, da es Sommer ist und er keine Möglichkeit hat, verderbliche Produkte zu kühlen.

Deshalb – und weil er weiß, dass er am Monatsende ein Honorar von seinen Gitarrenschülern berechnen und wieder genug Geld haben wird – entscheidet sich Martin für einen Pfandkredit und bringt seinen massiven Goldring, ein Erbstück von seinem Großvater, ins Pfandhaus.

Da ein Wert von 2.400 Euro für den Ring festgestellt wird, erhält Martin vom Pfandhaus 1.200 Euro direkt bar ausbezahlt. Damit fährt er in den nächsten Elektronikfachmarkt und kauft sich dort einen hochwertigen Kühlschrank.

Am Ende des Monats erhält er, wie erwartet, sein Honorar, zahlt seinen Kredit inklusive Zinsen und Gebühren zurück und nimmt seinen Ring wieder mit nach Hause.

Wie hoch kann die Kreditsumme eines Pfandkredits sein?

Die Höhe eines Pfandkredits reicht von wenigen hundert bis hin zu mehreren hundertausend Euro – je nachdem, wie wertvoll der verpfändete Gegenstand ist. Wer sein Smartphone verpfändet, erhält einen Pfandkredit von vielleicht 200 bis 300 Euro.

Es gibt allerdings auch massive Golduhren oder Gemälde, die 1 Million Euro oder sogar mehr wert sind – somit ergibt sich ein Pfandkredit von etwa 500.000 Euro. Diese Zahlenbeispiele zeigen bereits, dass nicht der komplette Gegenstandswert als Kredit ausgezahlt wird, sondern nur ein Teil davon. Viele Pfandhäuser vergeben Kredite, die etwa 50 % des verpfändeten Objektes betragen.

Pfandhaus, Online-Pfandhaus und Autopfandhaus

Ein Pfandhaus, auch Leihhaus oder Pfandleihhaus genannt, gibt es in jeder größeren Stadt. Es bewahrt die dort hinterlassenen Gegenstände in Tresoren auf und veranstaltet regelmäßig Versteigerungen von Gegenständen, die nicht mehr wieder an den ursprünglichen Eigentümer ausgegeben werden konnten. Es gibt sowohl private, als auch staatliche Pfandhäuser, letztere sind auch unter der Bezeichnung Leihamt bekannt. Beide sind strengen gesetzlichen Regelungen unterworfen.

Inzwischen gibt es auch Online-Pfandhäuser. Der Ablauf der Kreditvergabe ist derselbe wie beim klassischen Leihhaus, nur ohne Bargeldauszahlung. Der verpfändete Wertgegenstand wird abgeholt. Durch die Abholung und dadurch, dass das Online-Pfandhaus den Wert des Objekts zwei Mal prüfen muss – einmal virtuell mittels Fotos und Eckdaten und dann nochmals zur Vergewisserung direkt vor Ort – dauert die Abwicklung etwas länger als beim lokalen Pendant. Innerhalb von 24 Stunden ist meist allerdings auch beim Online-Pfandhaus alles erledigt. Während klassische Pfandleihhäuser fast immer vertrauenswürdig sind, gibt es unter den Online-Leihhäusern schwarze Schafe – wie leider überall im Internet.

Eine Sonderform des Pfandhauses ist das Autopfandhaus, das speziell auf die Beleihung von Autos ausgelegt ist. Bei der KFZ-Beleihung gibt es zwei Varianten: Bei der ersten wird das Auto in den Besitz des Pfandhauses übergeführt. Bei der der zweiten wird das Eigentum des Fahrzeug per Sicherungsübereignung übertragen. Da der Kreditnehmer allerdings weiterhin im Besitz des Autos bleibt, kann er es weiterhin nutzen.

Die Vorteile des Pfandkredits

Der größte Vorteil des Pfandkredits ist, dass er auf sehr unbürokratische Weise aufgenommen werden kann. Der Kreditnehmer geht zum Pfandhaus, gibt dort seinen Wertgegenstand ab und erhält im Gegenzug sofort Geld – oft sogar in bar. Das einzige Dokument, welches nötig ist, ist der Personalausweis oder alternativ dazu der Reisepass. Zwischen Verpfänder und Pfandhaus wird ein Pfandvertrag geschlossen und der Verpfänder erhält einen Leihschein – das ist die einzige Bürokratie, die beim Pfandkredit anfällt.

Eine Bonitätsprüfung gibt es nicht, ebenso wenig muss ein Einkommen nachgewiesen werden. So können Menschen Pfandkredite aufnehmen, die bei Banken keine Chance haben und sogar beim Kredit von Privat Schwierigkeiten bekommen können. Doch natürlich sollte es selbstverständlich sein, dass jemand, der einen Pfandkredit aufnimmt, einen realistischen Plan für eine baldige Rückzahlung haben sollte – sonst droht der Verlust des Wertgegenstandes.

Weitere Vorteile des Pfandkredits sind:

  • Es wird kein SCHUFA-Eintrag vorgenommen.
  • Die Wertgegenstände werden sicher in Tresoren gelagert.
  • Die im Vertrag festgelegte Laufzeit kann auf unkomplizierte Weise verlängert werden, falls die Rückzahlung noch nicht klappt.
  • Es gibt kein Risiko einer Verschuldung, denn wenn die Rückzahlung wider Erwarten unmöglich wird, erhält der Kreditnehmer seinen Wertgegenstand nicht zurück. Stattdessen wird dieser versteigert.

Die Nachteile des Pfandkredits

So unkompliziert ein Pfandkredit auch sein mag, er hat auch seine Schattenseiten. Denn auch wenn er auf eine kurze Laufzeit ausgelegt ist und die Zinsen und Gebühren sich dementsprechend in Grenzen halten, kann er sehr schnell sehr teuer werden, wenn das Geld nicht pünktlich zurückgezahlt werden kann und die Laufzeit deshalb verlängert werden muss.

Pro Monat dürfen ein Prozent Zinsen verlangt werden. Das sind, um beim anfänglichen Beispiel zu bleiben, bei einer Kredithöhe von 1.200 Euro 12 Euro. Würde sich der Gitarrenlehrer Martin aber plötzlich einen Arm schwer verletzen und könnte sechs Monate lang nicht unterrichten und dementsprechend auch nicht seinen Kredit zurückzahlen, müsste er bereits 72 Euro Zinsen bezahlen, was für die geringe Kreditsumme recht hoch ist. Hinzu kommen monatliche Gebühren, zum Beispiel für den Geschäftsbetrieb des Pfandhauses.

Außerdem ist der Vorteil, dass es kein Risiko der Verschuldung gibt, natürlich auch gleichzeitig ein Nachteil – denn stattdessen droht ein Verlust des Wertgegenstands, was natürlich besonders schade ist, wenn es sich um ein Familienerbstück oder ähnliches handelt.

In welchen Situationen lohnt sich ein Pfandkredit?

Pfandkredite bringen schnell und unkompliziert Geld, doch sie müssen schnell zurückgezahlt werden, sonst drohen sie, sehr teuer zu werden. Deshalb bieten sich Pfandkredite immer dann an, wenn sehr schnell Geld benötigt wird und gerade nicht genug Geld zur Verfügung steht, zum Beispiel, weil der Monat schon fortgeschritten und das Gehalt beziehungsweise Honorar schon aufgebraucht ist.

Wichtig ist aber, dass es absehbar ist, dass in Kürze wieder Geld vorhanden sein wird. Ein arbeitsloser Mensch, der am Existenzminimum lebt und keine Aussicht darauf hat, bald mehr Geld zu haben, tut sich mit der Aufnahme eines Pfandkredits keinen Gefallen – in einem solchen Fall wäre es sinnvoller, den Wertgegenstand einfach nur zu verkaufen.

Mögliche Alternativen zum Pfandkredit, die aber oft mit Bonitätsprüfungen verbunden sind, sind zum Beispiel der Kleinkredit, der Minikredit, der Dispositionskredit, der Kredit von Privat oder auch einfach nur ein ganz normaler Konsumkredit.